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Neuer Tiefpunkt zum Jahresbeginn
Es gibt Tage, an denen man sich sehnsüchtig wünscht, dass so ein Volleyball-Spiel nur aus einem einzigen Satz besteht. Am Mittwoch war so ein Tag. Wenn ein Zuschauer nur den dritten Satz der Partie zwischen evivo Düren und Chemie Volley Mitteldeutschland gesehen hätte, wäre es ihm nie in den Sinn gekommen, dass die Gastgeber heute irgendwie in Gefahr geraten könnten. Dominanz, Selbstbewusstsein, ein starker Block, ein deutlicher Vorsprung und ein lautes, euphorisches Publikum – alles war vorhanden auf Dürener Seite. Die Gäste aus Spergau verloren hingegen immer mehr die Kontrolle über das Spiel und sorgten für Schweigen bei ihren mitgereisten Fans. In Zahlen ergab diese Mischung ein 25:13 für evivo. Da wurden Erinnerungen wach an den ersten Satz des Hinspiels, als unsere Mannschaft die Piraten sogar mit 25:9 versenkt hatte.
Das restliche Geschehen hatte jedoch überhaupt keine Ähnlichkeit mit der ersten Begegnung Anfang Oktober. Während es damals ein 3:0 für Düren gab, war der eingangs beschriebene Satz diesmal eine Ausnahmeerscheinung in einem traurigen Spiel, das mit einer 1:3-Niederlage endete. Den ersten Rückschlag gab es bereits kurz vor dem Anpfiff. Libero Fabian Kohl fiel verletzt aus und die Lücke sorgte für Unordnung und Unruhe in den Aktionen der Hausherren. Der erste Akt der Tragödie entwickelte sich zur Sisyphus-Arbeit. Wie der geplagte Held der antiken Mythologie, der einen schweren Stein immer wieder einen Hügel hinaufrollt, bis er zurück ins Tal rutscht, belohnte sich unsere Mannschaft für ihre wiederholten Aufholjagden nicht. Sie kam von 5:11 auf 10:11 heran und auch nach einem 11:16 kam sie noch mal zurück. Aber am Ende gewann Chemie Volley mit 25:19.
Auch im zweiten Satz präsentierten sich die Mitteldeutschen deutlich souveräner und sicherer als Düren. Die logische Konsequenz war eine 2:0-Führung zur Zehn-Minuten-Pause. Drohte jetzt die nächste bittere Pleite gegen einen nicht favorisierten und eigentlich als schlagbar eingeschätzten Gegner? Nein! So einfach wollte unsere Mannschaft das Spiel nicht verschenken. Beim Stand von 8:7 kam sie plötzlich zurück. Wie der für den nächsten Tag angekündigte Orkan fegte sie die Mitteldeutschen weg. Fünf Punkte in Folge sorgten für die Wende. Der Euphorie folgte ein 3:0-Vorsprung. Jetzt war evivo wach und die Katerstimmung vertrieben. So dachten zumindest alle Anwesenden in der Arena, die unserem Team die Daumen drückten. Die Ernüchterung folgte schnell. 3:4 statt 3:0 und eine nicht belohnte Aufholjagd. Als der Schiedsrichter kurz vor Schluss anderer Meinung war als die Zuschauer, schien die Wut und die daraus resultierende Lautstärke noch mal für einen Motivationsschub zu sorgen. Das 25:27 konnte sie nicht mehr verhindern.
Damit hat evivo die vorderen Plätze aus den Augen verloren. Der Blick geht eher nach unten und die nächsten beiden Herausforderungen könnten kaum größer sein. Am 15. Januar muss Düren bei den alles überragenden Hachingern antreten und eine Woche später kommt der VfB Friedrichshafen in unsere Arena. In der aktuellen Situation wäre wohl ein knappes Satzergebnis schon positiv, ein gewonnener Satz eine große Überraschung und ein Sieg die Sensation des neuen Jahres. Andererseits könnten die klaren Verhältnisse ein Vorteil für unsere Mannschaft sein. Als krasser Außenseiter kann sie ohne Druck spielen. Das ist oft die beste Voraussetzung für unerwartete Ereignisse.
Markus Schnitzler
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